
Die Victoriafälle
Es sind die breitesten Wasserfälle der Erde, gehören seit 1989 zum UNESCO-Weltnaturerbe und sind ohne Frage ein gigantisches Naturschauspiel an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe: Die Victoriafälle.
Von Kasane im Norden Botswanas fahren wir zuerst nach Livingston in Sambia. Vor dem Eingang in den Park tummeln sich Schulklassen und Touristen, alles ist bunt und lebendig und lässt die Vorfreude steigen. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen aufgeregt.
David Livingstone
Er hatte übrigens im Jahre 1855 die Fälle als erster Europäer entdeckt, war beseelt von diesem Anblick und schrieb in sein Tagebuch: „Selbst die Engel müssen entzückt sein, wenn sie über die Fälle fliegen.“ Zu Ehren der Königin Victoria gab er den Fällen den Namen Victoria Falls.
Unser Weg führt uns zu den Aussichtspunkten auf der sambischen Seite. Bald blicken wir über den Sambesi. Jetzt im Oktober fließt er ruhig und gemächlich dahin. Er wirkt beinahe schläfrig, als würde er sich vor der Regenzeit noch ein wenig ausruhen. Das Wasser steht niedrig und gibt Felsen und kleine Inseln preis. Hier herrscht eine fast trügerische Stille, bevor der Fluss wenige Meter weiter sein wildes Gesicht zeigt.



Wir stehen an der Knife Edge Bridge. Das Sonnenlicht bricht sich in Millionen von Wassertropfen und malt leuchtend bunte Regenbögen in die Schlucht. Ich fühle mich bei diesem Anblick unendlich dankbar, das alles sehen und erleben zu dürfen.
Victoria Falls Bridge
Majestätisch spannt sich die historische Victoria Falls Bridge über den Abgrund. Von Weitem wirkt sie fast ein bisschen filigran, ist aber das „eisernes Band“, das Sambia und Simbabwe verbindet. Später werden wir auf dieser Brücke auf die andere Seite der Schlucht wandern.

Devil’s Cataract
Am westlichen Ende der Victoriafälle schauen wir auf den berühmten Devil’s Cataract. Mit ca. 60 m Fallhöhe ist er zwar der niedrigste Teil der Fälle, durch seine hohe Fließgeschwindigkeit, hauptsächlich während der Regenzeit, aber auch der turbulenteste. Hier stand ich sehr lange. Die wilde Jagd des Wassers durch den schmalen Einschnitt im Felsen hypnotisierte mich fast ein bisschen.
Und wieder öffnet sich ein Blick, der sich förmlich in mein Gedächtnis brennt. Auch wenn der Sambesi jetzt im Oktober nur einen Bruchteil seiner Kraft zeigt, kann ich diese ungeheuere Macht hautnah spüren.
„Mosi-oa-Tunya“ – der Rauch, der donnert
Ich versuche mir die Zahl vorzustellen: 10 Millionen Liter. Jede einzelne Sekunde. Soviel Wasser stürzt während der Regenzeit gewaltig und laut tosend rund 100 m in die Tiefe und lässt dabei diesen leichten, nassen Nebel aufsteigen, der den Himmel fast verschluckt. Während der eher trockenen Monate (wir waren im Oktober) sind es natürlich geringere Wassermengen, was die Fälle aber nicht weniger attraktiv macht. Es ist kein Wunder, dass die Einheimischen seit Generationen diesen Ort liebevoll Mosi-oa-Tunya nennen. Der Rauch, der donnert.


Wildwasser-Rafting
Während ich von oben auf das smaragdgrün schillernde Wasser des Sambesi schaue, schießen unten einige Mitglieder unserer Reisegruppe mit Rafting-Booten durch die Stromschnellen. Es sieht aus, als würden sie in der wilden Strömung tanzen. Respekt an alle aus unserer Gruppe, die sich das getraut haben. Für mich ist damit eine Grenze erreicht. Lieber zusehen, als mitmachen. Für einen solchen Ritt fehlt mir definitiv der Mut.





Victoria Falls Rainforest
Wenn die Wassermassen in der schmalen Schlucht auf dem Boden aufprallen, passiert etwas Magisches: Eine weiße Wand aus Nebel und Gischt zieht hunderte Meter in die Höhe. Dieser „donnernde Rauch“ steigt teilweise bis auf 500 m hinauf und ist noch aus 40 Kilometern Entfernung zu sehen.


Durch die ständige Feuchtigkeit hat sich ein üppiger Regenwald breit gemacht. Es ist herrlich, durch dieses Geflecht aus Farnen und Bäumen zu spazieren, während aus den Baumwipfeln feine „Regentropfen“ auf uns herabrieseln. Bei der Hitze fühlt sich die Feuchtigkeit an wie eine natürliche, sanfte Klimaanlage.
Der Pfad führt aus dem Regenwald heraus und gibt wundervolle Blicke preis.
Devil’s Pool
Irgendwann können wir dann auch eine besondere, nicht ganz ungefährliche Attraktion bestaunen. Uns gegenüber befindet sich der Devil’s Pool. In tausenden von Jahren hat sich auf der sambischen Seite direkt am Abgrund im Gestein eine Art Becken gebildet. Man kann einen Badeausflug dort hin buchen, bei dem ortskundige Führer zwar aufpassen, dass niemand über die Kante rutscht, gefährlich ist es trotzdem. Und wie man sieht, gibt es tatsächlich Menschen, die verrückt genug sind, das zu wagen.
Angeboten wird diese Attraktion nur bei niedrigem Wasserstand, da bereits eine kleine Unachtsamkeit zum tödlichen Sturz in 100 Metern Tiefe führen kann. Wenn man den Angaben trauen kann, sind mindestens 12 Menschen von diesem „Badeausflug“ nicht mehr zurückgekehrt und gelten seitdem als vermisst. Ob diese Aktion die Risiken wirklich wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.




Was bleibt?
Am Ende des Weges bleibt ein ganz besonderes Gefühl zurück. Es ist diese wilde Mischung aus Urgewalt mit lautem Getöse und der fast schon meditativen Stille des Regenwaldes, die mich ein bisschen sprachlos zurücklässt. Dies ist ein Ort, an dem die Natur so verschwenderisch mit ihrer Schönheit umgeht, dass es einen fast überwältigt. Inmitten dieser gewaltigen Kulisse fühle ich mich winzig klein. Im gleichen Moment jedoch auch zutiefst verbunden mit allem um mich herum.






















