
Die Suchende hinter der Linse – mein fotografischer Werdegang
Ich erinnere mich zurück an meine erste richtige Kamera, eine Spiegelreflex, die für damalige Verhältnisse extrem teuer war. Fast mein komplettes Gehalt floss in diesen einen Traum. Was war ich stolz. Zu der Zeit – es war Ende der 1970er Jahre – ahnte ich noch nicht im Mindesten, was die Fotografie mir einmal bedeuten würde.
Regeln und Vorschriften
Ich besuchte den örtlichen Fotoverein und wurde dort recht schnell konfrontiert mit Regeln und Vorschriften. Wie hat ein Foto auszusehen? Ganz wichtig: der „Goldene Schnitt“. Dann musste es scharf sein von vorne bis hinten, es durften keine störenden Elemente zu sehen sein, die das Auge ablenken könnten und so weiter und so weiter. Nun, ich passte mich an und hielt die Vorgaben ein. Ich kletterte die Leiter zwar ständig ein bisschen weiter nach oben, gewann auch den einen oder anderen Wettbewerb, spürte aber, dass ich nicht nach meinem Gefühl handelte, sondern nach den Ansichten der „alter Hasen“.
Rückblickend weiß ich, dass meine Fotos schon damals ein bisschen anders sein sollten – weniger angepasst. Es war jedoch schwierig, alte Regeln auszuhebeln. Dennoch war diese Zeit wertvoll. Ich lernte das technische Rüstzeug, das es braucht, um Regeln brechen zu können.
Nächte in der Dunkelkammer
Bald begann eine spannende Zeit für mich: ich entdeckte die Schwarzweiß-Fotografie. Viele Nächte verbrachten wir im Labor, entwickelten unsere Filme selbst und erstellten haufenweise Abzüge. In dieser Dunkelkammer wurde aus dem Handwerk langsam meine eigene Kunst.
Heute weiß ich: Die Regeln von damals waren das Fundament, aber erst das Brechen dieser Regeln ermöglichte meine eigene Bildsprache.
Dokumentarische Familienfotografie
Irgendwann kamen die ersten Anfragen. Freunde meiner Kinder wollten Fotos von sich und zeigten diese natürlich herum, die erste Hochzeit kam und im Jahr 2013 ging ich stolz und überglücklich los und meldete bei unserer Gemeinde meine eigene kleine Firma an. Ich arbeitete im Hauptberuf noch immer im Büro, für die Fotografie stand ich morgens um 5:30 h auf und bearbeitete Bilder, bis ich zur Arbeit gehen musste. Abends ging es oft bis Mitternacht weiter. Es hat mich erfüllt, ich war überglücklich, wenn ich den Menschen Erinnerungen in die Hand drücken konnte. Sehr berührend war dies im Bereich der dokumentarischen Familienfotografie, an die ich mein Herz verlor.
Jetzt war ich frei
Dann ging 2022 meine Arbeitszeit zu Ende. Aus Steuergründen war schnell klar, dass ich meine kleine Firma schließen musste. Das tat ich schweren Herzens. Es tat weh, das alles loslassen zu müssen. Nun aber war ich frei, ich konnte endlich fotografieren, was und vor allem, wie ich wollte. Ich begann mit meiner Kamera zu spielen. Doppelbelichtungen, Mehrfachbelichtungen, Bewegungen mit der Kamera, alles was sich gerade so anbot. Nicht für einen Auftraggeber, sondern nur für mich alleine.
Aus dem Herzen für die Seele
Ob die Bilder geltenden Normen entsprechen oder dem Geschmack der Masse gefallen, spielt keine Rolle mehr. Wichtig sind einzig und allein der Moment des Auslösens und das Gefühl, welches das fertige Bild in mir auslöst. Heute folge ich meiner Intuition ohne zu zögern. Ich habe mein „Warum“ gefunden: Ich möchte mit meinen Bildern berühren.
Zedernholzduft
Ein entscheidender Impuls auf diesem neuen Weg war die Teilnahme an einem Kreativ-Workshop Poetisches Foto-Essay bei Eva Radünzel und Sonja Stich. Unter ihrer Anleitung lernte ich, meiner künstlerischen Intuition vollends zu vertrauen. Es war, als würde sich eine neue Tür öffnen. Plötzlich waren da nicht nur Bilder, sondern auch Worte. Sie flossen wie von selbst und verschmolzen mit den Fotos zu einer Einheit. Während dieser Phase entstand mein Buch ZEDERNHOLZDUFT. Ein Buch, auf das ich stolz bin, denn es zeigt, wer ich wirklich bin.
Wer seine Kreativität ebenfalls entdecken oder weiterentwickeln möchte, der sollte sich die Webseite von Eva und Sonja gerne einmal ansehen: INSPIRALAB
Mein Plan für die Zukunft
Ich bleibe eine Suchende. Ich bleibe neugierig, möchte die Welt bereisen und immer wieder meine eigenen Grenzen neu ausloten. Ich gehe weiterhin als unverbesserlicher Optimist und mit tiefer Dankbarkeit durch das Leben. Damit fahre ich bisher verdammt gut.
Heute weiß ich, die Technik ist das Fundament, aber die Freiheit ist das Ziel, weg von den Erwartungen anderer, hin zu meinem eigenen Blick. Wie war dein Start in die Fotografie? Musstest du auch erst Regeln brechen, um deinen eigenen Stil zu finden?
Herzlich, deine Karin
2 Kommentare zu „Mein Weg in der Fotografie“
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Liebe Karin,
wie wundervoll du deinen Weg beschreibst und es ist spürbar, wie du immer mehr bei dir und deiner fotografischen Sprache angekommen bist. Es freut uns sehr, dass wir ein Teil deines Weges sein durften. Dein Poetisches Foto-Essay Zedernholzduft ist so besonders und berührend fotografiert und geschrieben.Viel Spaß beim Regeln brechen, Freiheit kosten und Fotografieren.
Dein Blick auf die Welt ist einzigartig. Wir freuen uns auf alles, was du noch von dir zeigst.
Alles Liebe!-
Liebe Eva,
ich danke dir für deine liebevollen Worte. Ich danke dir/euch aber auch für all die Inspiration und Gefühle, die ihr in mir zum Vorschein gebracht habt. Noch heute fühle ich dieses berauschende Gefühl, mit meiner Fotografie etwas Besonderes zu erschaffen durch eure Unterstützung und Motivation. Vielen lieben Dank dafür und euch Beiden alles Liebe!
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